Die Debating AG – Ein Beitrag zur Begabtenförderung am ESG
Am diesjährigen Abiball hatten drei Schüler:innen den höchsten Sprechanteil. Zwei Schüler:innen waren für die Moderation verantwortlich, eine hielt die Scheffelrede. Vorgestellt wurde sie unter anderem mit den Worten „unsere Mitstreiterin aus dem Debating-Club“. Alle drei haben sich wortgewandt und unerschütterlich gezeigt, wie es von hervorragenden und erfahrenen Debatern nicht anders zu erwarten ist.
Die Debating AG hat am ESG eine über zehnjährige Tradition. Aber es ist dieses Jahr das erste Mal, dass sie im Rahmen der Begabtenförderung angeboten wird. Das ist nur passend, denn die Schüler haben ihre Begabungen auch dieses Jahr vielfältig weiterentwickeln können, wie es der traditionelle Unterricht nicht ermöglicht und sich nicht zuletzt am Abiball zeigte.
Auch dieses Jahr trafen sich bis zu einem Dutzend Schüler:innen unter der motivierenden und kompetenten Schirmherrschaft von Frau Wild-Siebert am Samstag im ESG. Herr Wolff war auch da, zuständig für Formalia und Verpflegung. Die übliche Sitzung beginnt mit Aufwärmspielen, sowohl zur Förderung der Physis als auch der geistige Flexibilität und sprachliche Eloquenz. Und ja, es wird auch viel gelacht.
Anschließend werden theoretische Aspekte der Debates besprochen und sich auf eine Motion für die folgende Übungs-Debate geeinigt. Das kann alles sein, von „THB we need a school cow“ bis „THB in a gap year after the Abitur“. Dafür muss dann natürlich erstmal fachlich recherchiert werden. Oft genug dringen die Schüler:innen erstaunlich tief in ihnen unbekannte Themen ein. Und das nicht selten nach anfänglichem Unwollen einem speziellen Thema gegenüber. Aber gerade hier werden nicht nur fachliche Kompetenzen eingefordert, sondern auch Offenheit und Reflexion von den Schüler:innen verinnerlicht. In der anschließenden Debate kommt es dann zur Probe aufs Exempel. Auch bei den Übungsdebatten sind die Schüler sichtlich aufgeregt, gar nervös, trotz des bekannten und kleinen Rahmens. Es werden sprachliche Finessen ausgepackt, Teamstrategien koordiniert und auch vor theatralischen Winkelzügen in höchster, schauspielerischer Manier wird nicht zurückgeschreckt. Die Freude am zusammen Sprechen, sich präsentieren und argumentieren wird zweifelsfrei sichtbar.
Das Ziel all dieser Vorbereitung war dieses Jahr der Einzug in die Runde der letzten 16 in der „Senior Leauge“ der „German Debating Society“. Letztes Jahr wurde dieser nur um das knappeste verpasst. Davor gibt es aber im November und Januar vier Vorrunden-Debates in Vaihingen und Emmendingen. Die Schüler:innen schlugen sich ordentlich, konnten aber teilweise ihre eigenen Ansprüche nicht erfüllen. Nichtsdestotrotz gab es Siege gegen Teams, die letztes Jahr noch vor ihnen in der Rangliste standen. Lobenswert!
Das Highlight war aber das „Heidelberg Wochenende“ im März, an dem innerhalb von drei Tagen in einer Heidelberger Jugendherberge die restlichen vier Vorrunden-Debates abgehalten wurden. Wie immer stellt so ein Wochenende die Schüler:innen vor große psychische und emotionale Herausforderungen: Wie gut ist man vorbereitet? Wie sehr traut man sich selbst zu, mit neuen Situationen umzugehen? Wie verlässlich ist das Team – oder man selbst für das Team? Wie sehr lässt man sich von vermeintlich stärkeren Gegnern einschüchtern? Wie geht man damit um, dass man 48 Stunden mit den gleichen Menschen und sehr verschiedenen Meinungen verbringen und anschließend wieder Seite an Seite arbeiten muss?
Daran zu wachsen ist meiner Einschätzung nach für die Schüler:innen der größte Gewinn am Debating. Und gewonnen haben die Debater des ESG an solchen Erfahrungen definitiv. Am Ende wurde es Platz 20 auf der Rangliste bei fast 50 Teilnehmern aus ganz Deutschland. Nicht der erhoffte Finaleinzug, aber auch keine Enttäuschung. Vor allem wenn man bedenkt, dass kurzfristig zwei Ersatz-Debater gefunden und eingearbeitet werden mussten.
Den Abschluss des Debating-Jahres bildete wie immer die Show-Debate in der Aula für alle 9. Klässler. Diesmal mit der selbstgewählten Motion „THB you should join the debating club“. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg und brachte nicht nur Lob von Schülern und allen Lehrkräften, sondern zeigte begabten Schüler:innen auch, dass es am ESG möglich ist, in den Bereichen Rhetorik und Argumentatorik gefördert zu werden.
Bretten, 2.7.2026
Andreas Wolff

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